5 Fragen an: Felix Rackwitz

Felix Rackwitz (LL.M.) ist Managing Director bei TPR Legal in Frankfurt am Main. TPR Legal ist eine Rechtsanwaltskanzlei neuen Typs. Der Fokus liegt auf der Analyse und effizienten Optimierung von juristischen Workflows mittels Einsatz von technologischen Lösungen. Die Tätigkeitsschwerpunkte von TPR liegen in den Bereichen Contract Management, Legal Process Outsourcing und Legal Supplier Management. Vor seiner Tätigkeit bei TPR war Felix Rackwitz unter anderem in St. Petersburg, Kiew und Frankfurt beschäftigt. Wir haben Herrn Rackwitz 5 Fragen zum Thema Legal Tech und dem Jura-Studium gestellt.

 

1. Legal Tech in eigenen Worten: was bedeutet Legal Tech aus Ihrer Sicht?
Ich selbst habe keine, die bisher beste, die ich kenne ich von Micha Bues (glaube ich):
Legal Tech beschreibt den Einsatz von modernen, computergestützten, digitalen Technologien, um Rechtsfindung, -anwendung, -zugang und -verwaltung durch Innovationen zu automatisieren, zu vereinfachen und – so die Hoffnung – zu verbessern.
Da ist eigentlich alles drin. Wenn man sich über Legal Tech unterhält, haben die Leute häufig unterschiedliche Vorstellungen, die im Wesentlichen von der Anwendung her geprägt sind: das kann B2B oder B2C sein, Großkanzlei oder Portal, Inhouse oder externer Anbieter. Vielfach redet man dann aneinander vorbei.

 

2. Warum ist Legal Tech für Studierende wichtig?
Weil sich die Welt durch die Digitalisierung ändert und damit die Erwartungshaltung und Möglichkeiten der Juristen. Es ist egal, was ihr dann mit Jura mal machen wollt, ob Kanzlei oder Rechtsabteilung. Es wird anders sein als in der Vergangenheit und heute. Legal Tech ist dabei einer der Treiber.

 

3. Digitalisierung und Recht: das birgt doch viel mehr Gefahren als Chancen, oder?
Ja, das hat man bei der Einführung der E-Mail auch gesagt oder aktuell beim Thema Cloud Computing … Hier sind wir wieder bei Frage 1 (oben) – möglicherweise ja. Und natürlich spielt Datenschutz eine Rolle. Letztendlich ermöglicht Digitalisierung aber viele Chancen, wie z.B. Zugang zum Recht (Stichwort „Acces to Justice“ oder neudeutsch „A2J“), günstigeren und qualitativ besseren Rechtsrat, schnellere Prozesse (wann seid ihr zuletzt auf einem Amt gewesen?) etc.
Insgesamt überwiegen für mich die Chancen die Risiken ganz eindeutig.

 

4. Scheinfrei werden und dann so schnell wie möglich in die Examensvorbereitung. Lohnt sich überhaupt, zusätzlich noch Zeit für andere Themen, wie Legal Tech, aufzubringen?
Wenn ich von Jura keine Ahnung habe, wird ein gediegenes Halbwissen in Legal Tech (was auch immer jetzt gerade darunter vom Leser verstanden wird) nicht helfen. Dennoch sollte man sicherlich ein gewisses Interesse und Offenheit für die neuen Entwicklungen mitbringen. Dazu rate ich übrigens generell im Leben.

 

5. Legal Tech? Da muss man doch programmieren können?
Aktuell muss ich z.B. bei einigen Programmen wissen, wie sie funktionieren, um sie bedienen zu können und ein Jurist sollte vielleicht die Basics von Algorithmen verstehen. Das bedeutet mithin nicht, dass ich zwingend Programmieren können muss, sondern vielmehr, dass ich logische Regeln definieren kann. Und das wiederum lernt man eigentlich im Studium mit der Subsumption.
Ich persönlich glaube z.B. an den Effizienz- und Qualitätsgewinn durch Workflows. Wer da weiter einsteigen will, sollte sich z.B. mit Business Model Notification beschäftigen, damit man Sachen umsetzen kann. Auch hier ist die Antwort – es kommt darauf an, was, warum und wo man individuell gedenkt, Legal Tech einzusetzen.

 

Herr Rackwitz, wir danken Ihnen für dieses Interview.

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